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#ibktwit – Ein Social-Media-Experiment für Innsbruck

21 Feb

„Wo warst du am 11. September 2001?“ Diese Frage werden viele ohne große Umwege und langes Nachdenken beantworten können. Wie aber lautet die Antwort auf die Frage „Wo warst du am 1. Mai 2011?“  – Ein Hypertext von Edin Sasic

Der Pakistaner Sohaib Athar erinnert sich nur zu gut an dieses Datum. Am frühen Morgen des 2. Mai 2011 hörte der IT-Experte Hubschraubergeräusche über seiner Heimatstadt Abbotabad und kurze Zeit später waren sogar Explosionen in seiner Nachbarschaft zu vernehmen. Er nutzte den Kurznachrichtendienst Twitter, um seine Beobachtungen zeitnah mit anderen Menschen zu teilen. Zu diesem Zeitpunkt wusste er nicht, dass niemand geringerer als Osama bin Laden von der US-Spezialeinheit der Navy Seals in seiner Nachbarschaft ausfindig und „dingfest“ gemacht wurde.

pigeons by rote_zora84

Dieses Beispiel ist nur eines von mehreren, welches die Möglichkeiten von Twitter und Social Media im Allgemeinen vor Augen führt. In Südafrika, Kenia und England wird insbesondere Twitter als probates Werkzeug zur verstärkten Vernetzung der BürgerInnen untereinander verstanden und von lokalen Regierungen angewendet, um dringende Informationen an die Bevölkerung oder die Medien weiterzugeben. Auch das Land Tirol hat diese Entwicklungen bemerkt und prüft die Möglichkeiten, wie Soziale Netzwerke für den Katastrophenfall eingesetzt werden können, denn die neue Macht geht von den Menschen im Netz aus (und Nein!, solche Aussagen sind kein Käse!) Auf Städteebene ist beispielsweise die „City of New York„, die Stadt St. Gallen oder der Twitter-Kanal der Stadt Linz zu erwähnen. Und Innsbruck? Nun ja, lasst mich ein wenig ausholen….

Vor ziemlich genau einem Jahr publizierten Julian Ausserhofer, Axel Maireder und Axel Kittenberger ihre Studie „Twitterpolitik – Netzwerke und Themen der politischen Twittersphäre in Österreich“ in Wien. Bei der offiziellen Studienpräsentation waren auch österreichische Twittergrößen (ja, so etwas gibt es), wie der ZIB2-Moderator Armin Wolf, die Journalistin Corinna Milborn (man beachte den Innsbruck-Bezug), Burgenlandpolitiker Michel Reimon, der praktizierende Pastafari Niko Alm und der sonnengebräunte Stefan Petzner aus Österreichs südlichstem Bundesland (komisch, die Sonne war dort doch vom Himmel gefall… achlassenwirdas) anwesend. Unter dem Hashtag #ATPolTwit wurde die Ergebnisse der Studie zeitgleich auch auf Twitter diskutiert.

Etwa zur selben Zeit (Frühjahr 2012) fanden die Innsbrucker Gemeinderatswahlen statt. Die Stadt war voller Wahlplakate – von denen einige dem in Innsbruck vorherrschenden Klima zivilgesellschaftlichen Engagements und der Rechtsstaatlichkeit Österreichs nicht standhalten konnten. Die Innsbrucker Grünen hatten es sich als einzige der angetretenen Parteien zur Aufgabe gemacht, auf Ihren Wahlplakaten einen Twitter-Hashtag für diese Gemeinderatswahl zu etablieren um die Diskussionen auf Twitter damit in einem einheitlichen und nachvollziehbaren Stream zu bündeln. Ein gewisser Rudi Fußi aus Wien hievte den Hashtag später in den Titel seiner ganz persönlichen Wahlanalyse zur Innsbrucker Gemeinderatswahl. Die Wahl war geschlagen und ist Geschichte. Und was ist denn nun mit Twitter? Und Innsbruck?

Es waren wohl die gerade beschriebenen Ereignisse, die letztlich die entscheidenden Beweggründe für die Idee zu #ibktwit und der Realisierung des Experiments darstellten: im Mai 2012 passierte schließlich das und ein kleiner, aber sehr feiner Kreis von Twitter-Usern begann seine Tweets zum Alltagsgeschehen in Innsbruck mit dem Hashtag #ibktwit zu versehen. Eine Form von erster „Feuerprobe“ erlebten wir beim Stromausfall vor einigen Wochen. Eine zusammenfassende Chronologie dazu gibt es auf Storify. Der Kanal ist jedoch nicht ausschließlich in Zeiten des  Ausnahmezustands eine Quelle interessanter Meldungen, sondern bietet die Möglichkeit, verschiedenste Themen des öffentlichen Geschehens in Innsbruck aufzugreifen und zur Diskussion zu stellen (hier eine Auswahl der bisherigen Tweets im Jahr 2013). Dabei ist jeder der Beteiligten sowohl Konsument als auch Produzent des #ibktwit-Nachrichtenstreams. Der Schlüssel zur Teilhabe ist die Verwendung des Hashtags #ibktwit im eigenen Tweet.

Was kann aus diesem Experiment werden? Man weiß es nicht. Immerhin ist es die Aufgabe der Regierung und der großen Medienanstalten eines Landes oder einer Stadt, ihre Bevölkerung über die Geschehnisse der Zeit zu informieren. Warum sollen wir selbst Inhalte produzieren und andere damit belästigen oder beunruhigen? Warum sollten wir jene Eindrücke, Bilder und kurzen Filme, die wir tagtäglich wahrnehmen bzw. abfotografieren und abfilmen mit anderen Teilen – ganz besonders dann, wenn diese Medieninhalte aus Unfallmeldungen, Eventtipps und Alltagsbeobachtungen bestehen (Hashtag #ibktwit nicht vergessen) und womöglich eine kritische – aber gesprächsbereite – Haltung zum Stadtgeschehen beinhalten? Im Unterschied zu den bereits erwähnten Städteauftritten (NYC, Linz, etc.) bietet @IbkTwit sowohl die Möglichkeit, Informationen von zB Regierungsparteien im Top-Down-System zu verbreiten, als auch – und ganz besonders – die Chance, sich als interessierter Bürger selbst zuzuschalten und beizutragen. Eine beispielhafte Symbiose von Top-Down UND Bottom-Up.

Die Frage lautet also nicht: „Warum?“ – sondern „Warum eigentlich nicht?“

„I love fools‘ experiments. I am always making them.“

(„Charles Robert Darwin“)

P.S.: Jeder mit PC, Laptop, Pad/Tablet oder Smartphone und Internetverbindung kann unter http://twitter.com/ibktwit mitmachen.

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Dieser Text ist auch auf provInnsbruck.at erschienen.

 
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Verfasst von - 21. Februar 2013 in Standard

 

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