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Schlagwort-Archive: Public Health

Public Health & Tabakkonsum in Österreich V

Aus den Gesundheitsbefragungen der Statistik Austria geht hervor, dass 51,3 % aller Österreicher echte Nichtraucher sind, also niemals in ihrem Leben geraucht haben. Die andere Hälfte besteht aus klassischen Rauchern, Ex-Rauchern und Gelegenheitsrauchern.20  Österreich gilt in vielerlei Hinsicht und trotz verschärfter Tabakgesetzgebung der letzten Jahre im Vergleich zu anderen europäischen Staaten immer noch als Raucherparadies und Nichtraucherschreck. Die Weltgesundheitsorganisation hat im Jahre 2010 festgestellt21, dass es sogar in den österreichischen Gesundheitseinrichtungen und Regierungsgebäuden keine absolut rauchfreien Zonen gibt. Sie vergibt in einem eigenen „Compliance Score“ 5 Punkte an Österreich, wobei 10 Punkte für die höchste Einhaltungsbereitschaft der FCTC-Vereinbarungen stehen. Sie bemängelt, dass Zigarettenpackungen keine graphische Darstellungen von tabak-induzierten Krankheiten zur Abschreckung enthalten, Packungshersteller den „besonderen Geschmack“ der Zigarettenmarke auf der Verpackung anführen dürfen und das ausführliche Anführen von Inhaltsstoffen auf Zigarettenpackungen gesetzlich nicht verpflichtend ist. Es gibt kein Werbeverbot am Verkaufsort (zB Trafik), trotzdem erhält Österreich in der Kategorie „direktes Werbeverbot“ volle 10 Punkte im Compliance Score.

Der Kampf gegen die möglicherweise fatalen Folgen des Nikotinmissbrauchs in Form von Tabakrauchen kann nicht ausschließlich durch das Befolgen standardisierter Vorgaben gefochten werden. Public Health-Bestrebungen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs sollten sich, ähnlich wie die Tabakindustrie (Big Tobacco), zahlreicher marketingtechnischer Instrumente bedienen, um der Bevölkerung die Vorteile eines rauchfreien Alltags schmackhaft zu machen.

„In reality, public health practitioners and local health departments are in the business of marketing health improvement. […] The ultimate product to market is optimum health.“22

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20 Statistik Austria, Aktueller Raucherstatus 2006/07,  2008

http://www.statistik.at/web_de/static/aktueller_raucherstatus_200607_032165.pdf

21 WHO, Report on the Global Tobacco Epidemic – Country Profile Austria, 2011

http://www.who.int/tobacco/surveillance/policy/country_profile/aut.pdf

22 Novick, Morrow, Mays, Public Health Administration – Principles of Pupulation-Based Management, 2007

 
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Verfasst von - 20. Januar 2012 in Standard

 

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Public Health & Tabakkonsum in Österreich IV

„Public Health continues to face its most daunting challenge, persuading and encouraging people to change behaviours that are negatively impacting their health. […] Years of public awareness campaigns and health education have alerted people to the negative consequences of their day-to-day choices. Yet many seem unwilling or unable to break those old, familiar bad habits. People often resent public health interventions, stating that they inferfere with their individual rights.“14

Wenn es um die derzeitige Tabakgesetzgebung in Österreich geht, wird häufig die Entscheidungs- und Wahlfreiheit15 des Einzelnen angeführt.

„Rauchen kann eigentlich als ein Spiegel der Gesellschaft der jeweiligen Zeit angesehen werden […] (Sie) ist ein Emblem für unsere Konsumgesellschaft mit ihrer massenhaften Aneignung von Produkten. […] Und schließlich spiegelt es die Entwicklung des immer mächtiger werdenden und dynamisierenden Zugriffs des Staates auf alle Lebensbereiche.“16

Tabakpreise galten außerdem auch in Österreich seit jeher als finanzpolitisches Instrument.

„Stetig finden in Österreich Erhöhungen der Tabakpreise statt. Diese zogen bislang nicht nur einen vergleichsweise mageren Rückgang an der nachgefragten Menge mit sich, sondern vor allem eine Steigerung des Schmuggelhandels, besonders an den Grenzen zu osteuropäischen Nachbarländern Österreichs. Der Konsum und die Nachfrage der österreichischen Rauchenden konnten dadurch also nicht eingeschränkt werden[…].“17

Österreich scheint also in gewissem Maße ein Sonderfall zu sein. Und doch sind all diese Punkte keine triftige Begründung für den fehlenden politischen Willen, maßgebliche Änderungen durchzuführen. Die Tatsache, dass die bisherigen Erhöhungen der Tabakpreise die nachgefragte Menge nicht wirklich senken konnte, macht die fehlende Preissensibilität bei Tabakkonsumenten deutlich. Zum Stichtag 1. Juli 2010 schwankten die Zigarettenpreise für eine Packung der Marke „Marlboro“ in den von der ECL (TCS 2010) untersuchten Staaten zwischen € 2,55 (Baltische Staaten) und € 11,00 im topplatzierten Norwegen18. Marlboro (die in Österreich am meisten gerauchte Zigarettenmarke) kostet in Österreich19 nach der erneuten Anhebung der Tabaksteuer zum 1. Jänner 2012  € 4,50 (zuletzt € 4,40). Der Vergleich macht sicher, dass Österreich in der Preispolitik hinterherhinkt.

TBC

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14 Fallon & Zgodzinski, Essentials of Public Health Management, S. 451, 2004

15 Wirtschaftskammer Wien, Viel Rauch um nichts: Das österreichische Tabakgesetz steht!, 12.01.2011

16, 17 Baumgartner, Rauchen in Österreich nach 1945. Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, S. 60 & S. 57, 2009

http://othes.univie.ac.at/5427/1/2009-06-16_0401233.pdf

18 Association of European Cancer Leagues, The Tobacco Control Scale 2010 in Europe, S. 14, 2011

19 Wiener Zeitung, Zigaretten werden teurer,  13.01.2012

 
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Verfasst von - 19. Januar 2012 in Standard

 

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Public Health & Tabakkonsum in Österreich III

Die Ergebnisse einer Gesundheitsbefragung9 der Statistik Austria aus dem Jahre 2006/07 zeigen, dass mehr als die Hälfte der täglich rauchenden Österreicher bis zum vollendeten 16. Lebensjahr zu gewohnheitsmäßigen Rauchern werden. Bei den 15 bis unter 30-jährigen sind nur 11,9 % Ex-Raucher (früher täglich geraucht10) vorzufinden, insgesamt der niedrigste Prozentsatz an ehemaligen Rauchern unter allen Alterskategorien (25 % bei den 45 bis unter 60-jährigen und 60 bis unter 75-jährigen). Die Erkenntnisse aus der bereits erwähnten Britischen Ärzte-Studie liefern ein wichtiges Argument, warum es besonders wichtig ist, Public Health-Maßnahmen gerade in der Altersgruppe der 15 bis unter 30-jährigen zu forcieren:

„[…] prolonged cigarette smoking from early adult life tripled age specific mortality rates, but cessation at age 50 halved the hazard, and cessation at age 30 avoided almost all of it.“11

Wie kann eine solche Public Health-Maßnahme aussehen? Die amerikanische Kampagne TheTruth.com12, initiiert im Jahre 2000 von der American Legacy Foundation (Nonprofit-Organisation), kann auch für Österreich als Vorbild dienen. 85 % der 12 bis 17-jährigen gaben an, dass ihnen diese Kampagne einen guten Grund vorgab, um mit dem Rauchen aufzuhören, für 90 % der gleichen Altersgruppe waren die Inhalte überzeugend.

„Rather than talking up the ill-health effects of smoking, Truth was designed to appeal to the need for independence among teens. It strove to reach teens by letting them know – in innovative ways and with cutting-edge style – that the tobacco industry was out to manipulate them through their marketing and manufacturing practices.“13

Bewusstseinsbildung durch die Zivilgesellschaft bei jungen Menschen ist eine Sache, die Preisanhebung für Zigarettenpreise bzw. der Tabaksteuer, Werbevorschriften und Warnhinweise und gesundheitspolitische Programme zur Raucherentwöhnung  liegen jedoch im Verantwortungsbereich des Österreichischen Staates. Was hindert den Staat an einer ähnlichen Umsetzungsstrategie, wie sie von Großbritannien oder Norwegen praktiziert wird?

TBC

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9   Statistik Austria, www.statistik.at/web_de/statistiken/gesundheit/gesundheitsdeterminanten/rauchen,  2010

10  Statistik Austria, http://www.statistik.at/web_de/static/aktueller_raucherstatus_200607_032165.pdf, 2008

11 Doll et al., http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC437139/?tool=pubmed, 2004

12 http://www.thetruth.com, The American Legacy Foundation, abgerufen im Jänner 2012

13 Edberg, Essentials of Health Behavior – Social and Behavioral Theory in Public Health, S. 122, 2007

 
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Verfasst von - 18. Januar 2012 in Standard

 

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Public Health & Tabakkonsum in Österreich II

Im Europäischen Tabak-Kontroll-Index 2010 (TCS 2010) der Association of European Cancer Leagues (ECL) wird die Tabakgesetzgebung und der Nichtraucherschutz von ingesamt  31 europäischen Staaten (alle 27 EU-Mitgliedsstaaten einbezogen) verglichen und in einem Ranking dargestellt.5  Als Bewertungskriterien dienen die landesüblichen Zigarettenpreise, Werbevorschriften und Warnhinweise für Tabakprodukte, die nationale Tabakgesetzgebung sowie die gesundheitspolitischen Maßnahmen des jeweiligen Landes zur Raucherentwöhnung samt zur Verfügung gestellter Budgets. (Measures to reduce the demand for Tobacco – The World Bank)6 Dabei belegen Großbritannien, Irland und Norwegen die ersten drei Plätze, während Österreich hinter Luxemburg gemeinsam mit Griechenland den letzten Platz einnimmt. Die Publikation attestiert Österreich, keine klare Richtung in der Tabakgesetzgebung vorzugeben („a low profile on all tobacco control policies“).

„The five countries (UK, Ireland, Norway, Turkey and Iceland), wich lead the ranking, have in common a policy of high prices and the adoption of comprehensive smokefree legislation. Three of them adopted legislation, wich bans the display of tobacco products at the point of sale. The UK remains number one and is doing well on all six of the World Bank tobacco control policies.“8

TBC

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5 Association of European Cancer Leagues, The Tobacco Control Scale 2010 in Europe, 2011

6 The World Bank, Curbing the Epidemic, Governments and the economic of Tobacco Control, S. 37 – 53,1999

7 Association of European Cancer Leagues, The Tobacco Control Scale 2010 in Europe, S. 11, 2011

8 Association of European Cancer Leagues, The Tobacco Control Scale 2010 in Europe, S. 9, 2011

 

 

 
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Verfasst von - 17. Januar 2012 in Standard

 

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Public Health & Tabakkonsum in Österreich I

Der Konsum von Tabak ist gesundheitsgefährdend, diese Tatsache dürfte inzwischen sogar in das Bewusstsein des leidenschaftlichsten Rauchers eingegangen sein. Bereits in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts konnte der Mediziner und Epidemiologe Ernst L. Wynder gemeinsam mit  Evarts A. Graham – ein US-amerikanischer Toraxchirurg1 und Wynder´s damaliger Universitätsprofessor an der Washington University Medical School – durch wissenschaftliche Untersuchungen eine starke Korrelation zwischen Tabakkonsum und der Entstehung von Lungenkrebs feststellen.2  Neben Lungenkrebs sind es häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Kopf-Hals-Karzinome, die durch Nikotinmissbrauch in Form von Tabakrauchen entstehen. Diese und ähnliche wissenschaftliche Erhebungen, wie zum Beispiel die Ergebnisse der Britischen Ärzte-Studie3, lieferten wichtige Impulse für die Gesundheitswissenschaften (Modern Public Health).

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Zuge dieser Entwicklungen im Jahre 2003 ein „Rahmenübereinkommen zur Eindämmung des Tabakgebrauchs“ (WHO Framework Convention on Tobacco Control, FCTC) vorgestellt, welches im Jahre 2004 von 168 Parteien (darunter die  EU) unterzeichnet wurde. Nachdem das Übereinkommen im Jahre 2005 als völkerrechtlicher Vertrag4 rechtskräftig wurde, haben 151 Parteien (darunter die EU und 25 EU-Mitgliedsstaaten) das FCTC ratifiziert.  Zeitgleich führten zahlreiche europäische Staaten, darunter Irland, Italien, Schweden, Spanien und Schottland, gesetzliche Rauchverbote in geschlossenen öffentlichen Orten bzw. an Arbeitsstätten ein. Mit 1. Jänner 2009 ist auch in Österreich ein neues Tabakgesetz (mit Übergangsfristen) in Kraft getreten, welches durch ähnliche Rauchverbote in erster Linie den gezielten Nichtraucherschutz zum Ziele hat.

TBC

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1 Graham, selbst starker Raucher, verstarb wenige Jahre nach Veröffentlichung der Studie an Lungenkrebs.

siehe dazu: Lester R. Dragstedt, Evarts Ambrose Graham 1883 – 1957, National Academy of Sciences, 1976

2 Wynder & Graham, Tobacco Smoking as a possible etiologic factor in Bronchiogenic Carcinoma, 1950

3 Doll et al., Mortality in relation to smoking: 50 years´ observations on male British doctors, 2004

4 WHO, Framework Convention on Tobacco Control, 2003, updated reprint 2004, 2005

 
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Verfasst von - 16. Januar 2012 in Standard

 

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