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Patchwork* im Gesundheitswesen I

13 Aug

Die integrative Versorgung im Sozial- und Gesundheitswesen ist aufgrund der branchenüblichen Spezialisierung und Sektorisierung ein komplexes Themengebiet. Als Gründe für diese Entwicklung werden sowohl sachliche (unterschiedliche Konzepte/Methoden), soziale (unterschiedliche Perspektiven der beteiligten Gesundheitsberufe), zeitliche (chronologische Abfolge) und räumliche als auch rechtliche und historische Argumente angeführt.3 Die Schwierigkeiten ergeben sich demnach durch die Informationsasymmetrie zwischen dem Patienten und den Professionisten der Sozial- und Gesundheitsbranche (Mikroebene), die unterschiedlichen Unternehmensstrukturen und -kulturen (Mesoebene) und teilweise unterschiedlichen politischen Zuständigkeiten bzw. „sektoralen Finanzierungssystemen“ auf der Makroebene.4


Der Blick auf die demographischen Entwicklungen (kontinuierlich steigende Lebenserwartung, Wandel der Familienstruktur) macht deutlich, dass es sich um ein Zukunftsthema handelt. Chronische Krankheiten, Multimorbidität und gesteigerte „Kundenerwartung“ auf Seiten der PatientInnen werden als Treiber integrativer Versorgungsbestrebungen angesehen.5 Die Umstellung vom Tagessatz-Modell auf die leistungsorientierte Krankenanstalten-Finanzierung (LKF) mit 1.1.1997 hat die Kostenlenkungsinteressen der Kostenträger6 im Gesundheitswesen deutlich gemacht. Bei der Versorgung pflegebedürftiger Personen steht das zur Verfügung stellen von Kurzzeitpflege- & Tagespflegeangeboten, betreuten Wohnformen und Heimplätzen sowie ein ganzheitliches Case-Management-Modell und professionelles Nahtstellenmanagement  im Vordergrund. Aktuelle Diskussionen befassen sich mit der fehlenden ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen Österreichs7 („Land ohne Ärzte“) und ersten Pilotprojekten, welche diesen Entwicklungen entgegenwirken sollen („Allgemeinmedizin im klinisch-praktischen Jahr am Land“)8.

Diese Blogpost-Serie dient dem Entwurf einer zusammenfassenden Betrachtung aus der Vogelperspektive, sie wirft einen kurzen Blick auf die rechtlichen Grundlagen für die Finanzierung von Pflege- und Betreuungsdienstleistungen in Tirol (Pflegegeldgesetz & Mindestsicherungsgesetz), befasst sich mit der Versorgungsplanung und hinterfragt schließlich die Vernetzungsbestrebungen der einzelnen Teilbereiche im Sozial- und Gesundheitswesen untereinander.

* „Beim Patchwork werden kleine oder größere Stücke [….] zu einer größeren Fläche zusammengenäht.“ 1,2

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1 Wikipedia, the free encyclopedia, http://en.wikipedia.org/wiki/Patchwork, aufgerufen am 01.08.2012

2  Wikipedia, die freie Enzyklopädie, http://de.wikipedia.org/wiki/Patchwork, aufgerufen am 01.08.2012

3 nach Krajik, Nowak, Peinhaupt, Pelikan, 2002 / aus: Vortrag Dr. Bernhard Güntert, 2. Tiroler Gesundheitskonferenz, 2007

4,5,6 Güntert Bernhard, 2. Tiroler Gesundheitskonferenz, 2007

7 Österreichisches Parlament, Parlamentskorrespondenz Nr. 623 vom 18.07.2012, abrufbar unter http://www.parlament.gv.at

8 SpringerMedizin.at, http://www.springermedizin.at/artikel/29519-ausbildung-zum-landarzt, abgerufen am 01.08.2012

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Verfasst von - 13. August 2012 in Standard

 

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