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Social Media & Politics

19 Dez

Social Media ist das von den Massen erschaffene Massenmedium. Der Austausch und das Teilen multimedialer Inhalte stehen an erster Stelle und es scheint als hätte das Informationszeitalter das perfekte Instrument eines weltumspannenden Kommunikationsnetzwerkes hervorgebracht. Die Entwicklung des „interconnected network“ (Internet) diente dabei als Grundlage und der einzelne Nutzer wurde mit der Zeit immer häufiger zum Produzenten der zahlreichen Inhalte. Die Verwendung von „sozialen Medien“ hat nicht ausschließlich Unterhaltungscharakter, denn auch hier findet Öffentlichkeit statt. Nie zuvor wurde Meinungsvielfalt auf derart einfache Weise einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und das Prinzip der Meinungsfreiheit so aufrichtig gelebt wie heute.

Im Bereich der Politsoziologie wirft diese Entwicklung neue Fragen auf. Wie gestaltet sich politische Sozialisation, Kommunikation und politisches Verhalten in Zeiten des Web 2.0 und wer sind die wichtigsten Akteure? Welche Auswirkungen hat Social Media auf gesellschaftliche Entscheidungsprozesse, wie können politische Institutionen mithalten? Von großer Bedeutung ist auch die Frage nach der neuen Rolle des einzelnen Bürgers. Sind Blogs, Wikis oder sogenannte e-Petitionen ein probates Mittel zu mehr politischer Teilhabe des Einzelnen?  Führt e-Government zu mehr politischer Beteiligung? Kann mit Hilfe von Social Media Druck auf das politische System ausgeübt werden? Wo sind die Grauzonen, wo die Gefahren und wie könnte die Zukunft aussehen?

In der Kommunikationswissenschaft werden den klassischen Massenmedien soziale, politische und ökonomische Funktionen zugesprochen. Im Bereich der politischen Funktionen sind das Herstellen von Öffentlichkeit, die Artikulationsfunktion und die politische Sozialisations- bzw. Bildungsfunktion angeführt. (siehe dazu: Burkart, 2002, S. 382)

„Die informationelle Ausleuchtung des politischen Systems ist die zentrale Leistung, die die Massenmedien für die Politik erbringen.“ (Rhomberg, 2009, S. 25) Die Rolle des Social Web als Massenmedium ist dabei offenkundig eine andere. Offenheit (Transparenz) und flache Hierarchien auf der Seite der Medienproduzenten machen es zu einer demokratischen und partizipatorischen Plattform. Der Rezipient einer Nachricht kann im Gegenzug unmittelbar zum Sender werden, also seine Sicht der Dinge ergänzend anführen oder eine Gegendarstellung kommunizieren. Eigene Blogs dienen dabei sehr häufig als Ausgangspunkt und „gelten als unabhängige Form der Berichterstattung, die, ohne von marktpolitischen Interessen geprägt zu sein und teils unter Umgehung von Zensur, von den großen Geschehnissen unserer Zeit berichten.“ (Ebersbach, Glaser, Heigl, 2008, S. 207) Das Phänomen des „Whistleblowing“ bedient sich mit Vorliebe der Möglichkeiten neuer Medien. Dabei werden der Internetgemeinde brisante Enthüllungen mit Gemeinwohlbezug zugänglich gemacht. Bekannte Beispiele für solche Plattformen sind WikiLeaks oder OpenLeaks.

Von staatlicher Seite gibt es bereits seit einigen Jahren Bestrebungen, die Interaktion mit dem Bürger mittels „E-Demokratie“ (auch E-Government) voranzutreiben um die Responsivität des politischen Systems aufrecht zu erhalten bzw. auszubauen. Einzelne Politiker haben mit eigenen Blogs und Podcasts damit begonnen, ihre politischen Agenden der breiten Internetöffentlichkeit zugänglich zu machen, so auch die derzeitige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrer Internetpräsenz.  „Publikationen dieser Art dienen zwar der Verbreitung der eigenen Thesen und Vorschläge eines Politikers, die öffentliche Debatte bleibt aber weiterhin den Massenmedien vorbehalten.“ (Ebersbach, Glaser, Heigl, 2008, S. 208) Social Media als Massenmedium ermöglicht dem einzelnen Bürger dabei – im Gegensatz zu klassischem Massenmedien wie Fernsehen oder Zeitung – die unmittelbare Ansprache des jeweiligen Volksvertreters und kann somit diskussionsfördernd wirken.

TBC

 

Literatur:

Burkart, R., Kommunikationswissenschaft, Wien: Böhlau, 2002

Ebersbach, Glaser, Heigl, Social Web, Konstanz: UVK Verlags-GmbH, 2008

Rhomberg, M., Politische Kommunikation, Paderborn: Wilhelm Fink Verlags-KG, 2009

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2 Kommentare

Verfasst von - 19. Dezember 2011 in Standard

 

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2 Antworten zu “Social Media & Politics

  1. Werner Kräutler

    19. Juli 2015 at 08:22

    Eine interessante theoretische betrachtung, die der realität m.e. nicht stand hält.

    Allzu freie politische meinungsäusserungen werden sanktioniert: bei der jobsuche, bei politisch induzierter unterstützung (zb förderungen). Mehr noch: mir sind sogar sippenhaftungsartige vorgänge bekannt, die auf ‚aufmüpfige‘ postings von verwandten zurückgehen.

    Somit können soz medien nicht wirklich als neue hoffnung pol partizipation betrachtet werden. Siehe katzenfotos: die sind unpolitisch

     
    • Edin

      19. Juli 2015 at 16:37

      Ich kann Ihren Einwand nur unterschreiben. Doch anstatt die im Blogpost beschriebenen Vorgänge vollständig zu entkräftigen hat der Kommentar eher relativierenden Charakter. Selbst die Realität hält der Realität oftmals nicht stand. Katzenfotos mögen unpolitisch sein, aber Katzen sind es jedenfalls nicht… http://41.media.tumblr.com/tumblr_mak7p83Guw1r990nco1_500.jpg 😉

       

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